Polymarket & Co. | Wenn Krypto-Prognosen zur illegalen Gesellschaftswette werden

Der Schriftzug GAME OVER auf schwarzem Grund

Teil 2 unserer Serie zu Krypto-Glücksspiel und Prognosemärkten

In der Krypto-Community werden Prognosemärkte wie Polymarket als innovative Finanzprodukte oder Formen des „Information Trading“ gefeiert. Doch was technisch über Smart Contracts auf der Blockchain abgebildet wird, ist aus Sicht der deutschen Aufsicht sehr wahrscheinlich schlichtweg ein illegales Glücksspiel.

Das Verdikt der GGL

Am 5. September 2025 gab die GGL („Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder“) eine wegweisende Warnung heraus: Sogenannte Gesellschafts- oder Unterhaltungswetten – etwa auf den Ausgang politischer Wahlen, den Fortlauf von Kriegen oder Promi-News – sind in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubnisfähig. Da in Deutschland nur Wetten auf Sportereignisse mit klarem Regelwerk lizenziert werden können, stehen Plattformen wie Polymarket auf der roten Liste.

Krypto-Prognosen: Manipulation statt Marktpreise

Die Behörden begründen das Verbot unter anderem mit dem massiven Manipulationsrisiko. Im Gegensatz zu Sportwetten basieren Ereignisse auf Prognosemärkten oft auf subjektiv beeinflussbaren oder unklar definierten Ausgängen.

Für den Nutzer bedeutet das ein doppeltes Risiko: Er unterliegt nicht nur der Gefahr von Marktmanipulationen, sondern setzt sich durch die Teilnahme von Deutschland aus auch der Strafverfolgung nach § 285 StGB aus.

Wer Polymarket-Anteile kauft, betreibt aus juristischer Sicht kein Investment, sondern nimmt an einem verbotenen öffentlichen Glücksspiel teil. So zumindest ist dies aus der behördlichen Einordnung der GGL abzuleiten. Hierzu kann man auch andere Ansichten vertreten.

Befürworter argumentieren, dass Prognosemärkte wertvolle Informationen aggregieren und damit sogar die Effizienz klassischer Finanzmärkte erhöhen könnten. Die Blockchain-Technologie mache diese Märkte transparenter als traditionelle Wettplattformen. Doch diese Argumentation verkennt, dass Transparenz allein kein Kriterium für Legalität ist. Im Gegenteil: Je effizienter der Markt technisch funktioniert, desto größer kann die Reichweite eines illegalen Angebots werden.

Beratung für Nutzer und Anbieter

Die Gefahr für Nutzer ist offensichtlich. Die Blockchain vergisst nicht, und spätestens die Umwandlung von Stablecoins wie USDC in Euro löst die Überprüfungsprozesse aus, die den Nutzer als Teilnehmer einer illegalen Plattform identifizieren.

Für Nutzer und Anbieter gilt daher: Wer in Deutschland Prognosemärkte betreibt oder daran teilnimmt, riskiert rechtliche Konsequenzen bis hin zu strafbaren Handlungen. Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Token-basierten Spiel- oder Wettmechanismen unter das Glücksspielrecht fallen. Frühzeitige Compliance-Prüfungen können hier den Unterschied zwischen Innovation und Illegalität ausmachen. Gern stehen wir für Fragen rund um das Thema Krypto-Prognosemärkte zur Verfügung.

Lesen Sie hier die weiteren Artikel unserer Reihe:

Teil 1: Online-Casinos und Prognosemärkte ohne deutsche Lizenz: strafrechtliches Risiko

Teil 2: Polymarket & Co. | Wenn Krypto-Prognosen zur illegalen Gesellschaftswette werden

Teil 3: Verjährung bei Kryptogewinnen: Wie lange droht Strafverfolgung wegen Geldwäsche oder illegalem Glücksspiel?

Teil 4: Endstation Bankkonto: Wenn Krypto-Glücksspiel am Herkunftsnachweis scheitert

Teil 5: Versteuerung von illegalen Wettgewinnen: Zwischen Windfall Profit und Gewerbe

Teil 6: Ausländische Online-Casinos und Polymarket: Wann machen sich deutsche Spieler strafbar?

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Porträt vom Autor

Jürgen Schwendemann

Steuerberater Jürgen Schwendemann ist für WINHELLER weltweit in den Bereichen internationales Steuerrecht, Blockchain und Kryptowährungen tätig.

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