Steuerreform 2026: Pläne für Einkommensteuer und Krypto

Bitcoin unter der Lupe auf schwarzem Hintergrund

Die deutsche Steuerlandschaft steht im Frühjahr 2026 wieder einmal vor einer Reform. Die Koalitionspartner CDU und SPD streiten über die Zukunft der Einkommensteuer, z.B. über den sog. “Mittelstandsbauch”, den Grundfreibetrag, den  Einkommensteuerspitzensteuersatz, den Solidaritätszuschlag und nebenbei auch über die steuerliche Behandlung digitaler Vermögenswerte.

Traditionell verläuft in Deutschland eine solche Diskussion sehr einseitig und fokussiert sich allein auf die Steuereinnahmen selbst: Auf die Forderung, die Steuern zu senken, folgt daher reflexartig die Frage, wie die Entlastung durch Steuererhöhungen an anderer Stelle kompensiert werden könnten (Umsatzsteuer, Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Belastung der sog. “Gutverdiener”). Darüber, dass eine Gegenfinanzierung auch über eine Reduzierung der überbordenden Staatsausgaben möglich wäre, spricht leider so gut wie niemand.

Konflikt um Steuerpolitik: Parteien vertreten gegensätzliche Modelle

Das „steuerpolitische Gefecht“ wird zwischen den Schwergewichten der Koalitionspartner geführt. Auf der einen Seite steht Lars Klingbeil (SPD), der eine Steuerreform zur sozialen Schicksalsfrage erklärt hat.  Er fordert „starke Schultern“ über höhere Steuersätze stärker zu belasten, um Spielraum für die Entlastung der arbeitenden Mitte zu schaffen.

Ihm gegenüber positioniert sich Carsten Linnemann (CDU), der, ebenfalls wenig überraschend, jede Form der Steuererhöhung als „wirtschaftliches Gift“ brandmarkt. Er will Leistungsanreize durch steuerfreie Überstunden setzen und den Mittelstandsbauch abflachen.

Welche Vorschläge zur Steuerreform stehen im Raum?

Basierend auf der aktuellen Dynamik und den öffentlich getätigten Aussagen der Parteienfunktionäre ergibt sich aktuell folgendes Bild:

1. Verschiebung der Einkommensteuer-Tarifgrenzen (Wahrscheinlichkeit: sehr hoch)

Hierüber herrscht parteiübergreifend Konsens. Der Spitzensteuersatz soll erst ab einem höheren Einkommen (ca. 80.000 bis 90.000  €) greifen, um der kalten Progression entgegenzuwirken. U.E. ist das überfällig. Bisher wird bereits jeder Euro Einkommen ab einem Betrag von 69.879 EUR mit dem Spitzensteuersatz von 42% belastet. Von einem “Großverdiener” mit besonders “starken Schultern”, der unbedingt zur Kasse gebeten werden muss, um einer ungerechten Einkommensverteilung in der Gesellschaft entgegenzuwirken, wird man bei diesem Einkommen schwerlich sprechen können – vor allem nicht, wenn es sich dabei um den Einzelverdiener einer Familie mit Kindern handelt.

2. Wechsel zur pauschalen Abgeltungsteuer für Krypto (Wahrscheinlichkeit: Hoch)

Es verdichten sich die Zeichen für einen Systemwechsel. Die Besteuerung von Kryptowährungen soll von den komplizierten „privaten Veräußerungsgeschäften“ hin zur pauschalen Abgeltungsteuer (26,375 % inkl. Solidaritätszuschlag) reformiert werden. Dies würde die Finanzämter deutlich entlasten, da Krypto-Gewinne dann wie Aktien behandelt würden. Die Besteuerung erfolgte also automatisch an der Quelle im Wege des Kapitalertragsteuerabzugs. Steuerfreie Veräußerungsgewinne nach einem Jahr Haltedauer wären damit passé. Denkbar und u.E. auch verfassungsrechtlich geboten dürften aber Bestandsschutzregeln für bereits gekaufte Coins sein.

3. Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 47-49 % (Wahrscheinlichkeit: gering bis moderat)

Aufgrund des Widerstands der CDU/CSU ist eine Erhöhung derzeit eher schwer durchsetzbar. Erste gegenteilige Äußerungen aus den Reihen der Union, die eine Erhöhung nicht per se ausschließen möchten, lassen aber aufhorchen. Völlig undenkbar scheint eine Erhöhung auch auf Seiten der Christdemokraten also nicht zu sein, insbesondere wenn dadurch der Solidaritätszuschlag entfallen würde. Gutverdienern droht insoweit eine böse Überraschung. Der Druck, in passive Einkünfte zu “wechseln”, Holding-Strukturen aufzusetzen oder gar einen Wegzug ins Auge zu fassen, bleibt daher unverändert hoch.   

Steuerreform vorerst nicht absehbar

Eine Steuerreform, die die Unternehmer und Großverdiener bei Laune und im Land hält, ist nicht absehbar. Die finanzielle Lage des Staates ist (selbstverschuldet) zu angespannt, als dass ein großer Wurf in dieser Richtung zu erwarten wäre. Für die an sich naheliegende Lösung, die Steuern stabil zu halten, dafür aber die Staatskosten zu senken, fehlt offenkundig der Mut.

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Abgeltungsteuer und Ende der Haltefrist: Was kommt auf Kryptoanleger zu?

Wenig überraschend ist der Ruf nach der Abgeltungssteuer für Kryptogewinne.  Mit der technischen Umsetzung der EU-Richtlinie DAC8 hat der Staat bereits die Mittel zur Kontrolle in der Hand. Sie ist in Deutschland bereits seit dem 1. Januar 2026 geltendes Recht. Die totale Transparenz ist also bereits vollzogen: Kryptobörsen melden sämtliche Transaktionsdaten automatisch an das Bundeszentralamt für Steuern. Der „gläserne Krypto-Anleger“ ist das Fundament, auf dem die aktuellen Reformwünsche der SPD, Kryptogewinne automatisch per Abgeltungssteuer zu belasten, aufbauen können. Sie sind an sich nur der logische nächste Schritt.

Ob die einjährige Haltefrist tatsächlich schon jetzt fällt, hängt aber wohl vom finalen Tauziehen in der Koalition ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Steuerfreiheit nach nur 12 Monaten über kurz oder lang einem vereinfachten Abgeltungssystem weicht, ist jedenfalls so hoch wie nie zuvor.

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Porträt vom Autor

Jürgen Schwendemann

Steuerberater Jürgen Schwendemann ist für WINHELLER weltweit in den Bereichen internationales Steuerrecht, Blockchain und Kryptowährungen tätig.

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