
Wer in Deutschland lebt oder sich hier gewöhnlich aufhält, ist mit seinem gesamten Einkommen steuerpflichtig – egal, woher es stammt. Auch wer keinen Wohnsitz (mehr) in Deutschland hat, aber hier Einkünfte erzielt, muss diese ggf. versteuern. Diese Grundsätze gelten selbstverständlich auch für Influencer: Einnahmen aus Werbekooperationen, Affiliate-Links, Produktplatzierungen, Online-Shop-Umsätzen, Veranstaltungsteilnahmen in Deutschland oder anderen digitalen Dienstleistungen können der deutschen Besteuerung unterliegen – unabhängig davon, ob sie international oder online erzielt werden. Nachdem die Finanzverwaltung mehrere Jahre lang mehr oder weniger nur zugeschaut hat, prüft sie diese Fälle mittlerweile intensiv und stützt sich dabei auf Daten der Social-Media-Plattformen. Betroffene Influencer sollten sich dessen bewusst sein und handeln!
Steuerhinterziehung bei Influencern: Welteinkommensprinzip, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer
Die Risiken, als Influencer Steuern zu hinterziehen, sind vielfältig. Wer seinen Wohnsitz in Deutschland hat, ist unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Das bedeutet, dass er grundsätzlich sein weltweites Einkommen vollständig in Deutschland versteuern muss, wozu natürlich auch die Einnahmen aus Werbepartnerschaften, Produktplatzierungen und anderen Tätigkeiten als Influencer zählen. Zu entrichten ist regelmäßig Einkommensteuer und Gewerbesteuer. Auch umsatzsteuerliche Pflichten sind zu bedenken. Bereits die Nichtangabe von Einkünften oder Umsätzen kann den Vorwurf der Steuerhinterziehung nach sich ziehen.
Im Ausland lebende Influencer steuerpflichtig?
Die deutsche Steuerpflicht greift aber auch dann, wenn deutsche Staatsbürger ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in ein Niedrigsteuergebiet verlegen, aber weiterhin wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behalten – etwa Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, deutsche Konten oder sonstige sog. „nicht-ausländische Einkünfte, wenn diese gewisse Schwellen überschreiten.
Dann unterliegen sie trotz Wegzugs mit ihren Einkünften nicht nur der gewöhnlichen beschränkten Steuerpflicht, sondern auch der sogenannten „erweiterten beschränkten Steuerpflicht“ in Deutschland, meist für das Wegzugsjahr und bis zu zehn Jahre danach. Aus Sicht des deutschen Fiskus soll das Steuerumgehung verhindern und sicherstellen, dass wichtige deutsche Einkünfte durch einen Wegzug ins Ausland nicht der deutschen Besteuerung entzogen werden.
Selbst wenn ein Influencer also seinen Wohnsitz verlagert, kann Deutschland berechtigt sein, die Einkünfte zu besteuern. Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung werden sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen angewendet. Mit vielen Ländern hat Deutschland solche Abkommen geschlossen, mit der einen oder anderen „Steueroase“ allerdings nicht.
Finanzämter und Social-Media-Plattformen kooperieren
Allein in Nordrhein-Westfalen ermitteln Finanzbehörden seit 2025 gegen über 200 Influencer wegen insgesamt etwa 300 Millionen Euro hinterzogener Steuern. Der Fiskus ist also auf der Jagd nach durchaus „größeren Fischen“. Die Behörden nutzen bei ihrer Recherche umfangreiche Datenanalysen von Social-Media-Plattformen, um versteckte Einnahmen aufzudecken und die Beweislage trotz zeitlich begrenzter Inhalte (z.B. im Fall von „Storys“) zu sichern. Dieses Vorgehen wird inzwischen bundesweit adaptiert.
Besonders problematisch sind insoweit fehlende Angaben des Steuerpflichtigen bei komplexen internationalen Strukturen sowie Fälle der Verschleierung durch Scheinfirmen im Ausland ohne tatsächliche Betriebsstätte oder falsche Angaben bzgl. der Steueradresse.
Lösungen für Influencer: Steuerhinterziehung vermeiden und rechtssicher handeln
Steuerliche Fehler oder Versäumnisse müssen kein dauerhaftes Risiko bleiben – mit gezielten Maßnahmen und professioneller Unterstützung können Influencer ihre steuerliche Situation klären und sich vor (steuerstraf-)rechtlichen Folgen schützen.
- Freiwillige Selbstanzeige & Nacherklärung
Wer Einnahmen unvollständig oder fehlerhaft deklariert hat, kann durch eine freiwillige Selbstanzeige oder Nacherklärung gemäß § 370 AO Straffreiheit erlangen. Das gilt, solange die Finanzbehörden den Fehler noch nicht entdeckt haben. Die ordnungsgemäße Nachmeldung ist meist der wichtigste und effektivste Weg, um Geldstrafen oder sogar Haft zu vermeiden. - Korrekte und vollständige Steuererklärung
Alle in Deutschland steuerpflichtigen Einkünfte müssen in Deutschland vollständig und korrekt angegeben werden. Das ist an sich selbstverständlich. Genauso selbstverständlich ist, dass ein Steuerpflichtiger nicht mehr Steuern zahlen muss, als es das Gesetz von ihm verlangt. Speziell die erweitert beschränkte Steuerpflicht kann im Einzelfall auch mit guten verfassungsrechtlichen Argumenten angegriffen werden. Sofern das im Einzelfall möglich ist, sollte der Steuerpflichtige davon Gebrauch machen. Nur eines ist nicht ratsam: Wegducken und hoffen, dass das Finanzamt etwas übersehen wird. - Frühzeitige steuerliche Beratung
Internationale Sachverhalte, digitale Geschäftsmodelle und neue Einnahmequellen machen die steuerliche Bewertung oft komplex. Frühzeitige Beratung hilft, die eigene Steuerpflicht richtig einzuordnen, Meldepflichten zu erfüllen und Doppelbesteuerung durch internationale Abkommen zu vermeiden. Ggf. lassen sich auch geeignete Steuergestaltungen finden, die wirksam und legal sind.
Mit WINHELLER steuerlich auf der sicheren Seite
Wir begleiten Influencer und Content Creator in jeder Phase – von der Prävention über die Klärung bis hin zur Verteidigung bei Vorwürfen oder Ermittlungen. Unsere Leistungen umfassen zum Beispiel:
- Prüfung der steuerlichen Ansässigkeit im internationalen Kontext
- Beurteilung der steuerlichen Verpflichtungen bei grenzüberschreitenden Einkünften, insbesondere auch im Hinblick auf die erweitert beschränkte Steuerpflicht
- Erstellung relevanter Steuererklärungen
- Beratung zur Vermeidung von Doppelbesteuerung durch Anwendung von DBA
- Unterstützung bei Nacherklärungen und Selbstanzeigen
- Kommunikation und Vertretung gegenüber Finanzbehörden
- Steuerliche Behandlung von Sachleistungen und digitalen Assets
- Umsatzsteuerliche Beratung bei grenzüberschreitenden Leistungen
Kommen Sie gern mit Ihren Fragen auf uns zu! Warten Sie nicht, bis die Finanzbehörden aufgrund der neuen Datenlage aktiv werden. Kontaktieren Sie uns zeitnah, um Ihre steuerliche Situation rechtssicher zu klären und Risiken zu vermeiden.
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