DE | EN | RU

info@winheller.com+49 (0)69 76 75 77 80 Mo. - Fr. von 8 bis 20 Uhr, Sa. von 8 bis 17 Uhr
Persönliche Termine nach Vereinbarung

Besteuerung von Decentralized Finance (DeFi) Lending: Das sollten Kryptoinvestoren wissen

Steuern bei Decentralized Finance (DeFi) LendingDecentralized Finance (DeFi) ist aktuell das „Buzzword“ in der Kryptoszene. Durch die Schaffung eines dezentralen Finanzökosystems sollen klassische Finanzdienstleistungen revolutioniert werden. Mit attraktiven Angeboten für Anleger, der fortschreitenden Entwicklungen der Blockchaintechnologie und einem zunehmend größeren Angebot an Anbietern scheint Decentralized Finance auch im Jahr 2020 die Aufmerksamkeit weiter auf sich zu ziehen. Es ist wohl davon auszugehen, dass sich viele der klassischen Finanzdienstleistungen zukünftig auch im DeFi-Bereich wiederfinden werden und den Kunden damit neue attraktive Möglichkeiten für Investments eröffnet werden.

In diesem Beitrag möchten wir zunächst die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete DeFi-Anwendung näher betrachten: das Verleihen von Kryptowährungen (DeFi Lending).

Wie funktioniert DeFi Lending?

Legt man auf traditionelle Weise sein Geld bei der Bank an, erhält man Zinsen auf seine Einlagen. In Anbetracht der anhaltenden Niedrigzinspolitik ist dies für den Anleger allerdings nicht sehr attraktiv. Diese Einlagen werden von der Bank teilweise dafür genutzt, um sie an Kreditnehmer weiterzuverleihen. Bei „Defi Lending“ entfällt die Bank bei diesem Vorgang als Mittelsmann. Damit erhält der Anleger nicht nur mehr Kontrolle über seine Anlagen, sondern kann auch aufgrund geringerer Kosten durch den Wegfall einer zwischengeschalteten Bank höhere Zinsen erwarten.

Das Verleihgeschäft verläuft dabei automatisiert mithilfe von intelligenten Verträgen (Smart Contracts), die meist auf dem ERC20-Standard der Ethereum-Blockchain basieren. Dabei wird der Zinssatz nicht von der Bank festgelegt, stattdessen legen spezielle Protokolle Zinssätze zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer automatisch fest. Der Kreditgeber hinterlegt die Kryptowährung, je nachdem für welchen Anbieter er sich entscheidet, in einem sogenannten „Pool“. Dort kann sich die Gegenpartei, also der Kreditnehmer bei genügend Besicherung (Collateral), wiederum Kryptowährungen leihen. Die Informationen für das Verleihgeschäft werden wiederum mithilfe eines intelligenten Vertrags auf der Blockchain gespeichert und automatisiert ausgeführt.

Kostenloses White Paper für private KryptoinvestorenCrypto Steuer Guide - gratis Whitepaper

Bitcoin und Steuern leicht gemacht! Auf insgesamt 28 Seiten informiert der „Crypto Steuer Guide“ von ACCOINTING & WINHELLER u.a. zu Haltefristen, Höhe der Besteuerung, private Investorengemeinschaften sowie zur Steueroptimierung von Kryptogewinnen.

JETZT LESEN!

Je nachdem für welche Plattform man sich letztlich entscheidet, können unterschiedliche Kryptowährungen meist auf einfache Weise mithilfe einer Ethereum Wallet verliehen werden. Grundsätzlich lässt sich „Defi Lending“ mit einem Tagesgeldkonto mit variablen Zinssätzen vergleichen, bei dem nicht die Bank die Einlagen verwaltet, sondern ein entsprechender „DeFi Pool“ diese Rolle übernimmt und dabei autonom agiert. Der Anleger kann bei genügend Liquidität jederzeit wieder seine hinterlegten Kryptowährungen entnehmen.

Im Vergleich zu dem seit längerem bekannten Verleihen von Kryptowährungen, z.B. über Handelsplattformen, wird bei DeFi Lending der Zinssatz ohne Vermittler automatisiert festgelegt und läuft meist ohne KYC-Prozess (Know Your Customer) anonym ab.

Bei der Auswahl des richtigen Anbieters ist immer Vorsicht geboten und zu prüfen, ob sich der Anbieter bereits etabliert hat. Bekannte Anbieter von DeFi Lending Plattformen sind z.B. Compound, Aave oder Nuo Network.

Wie werden die Zinsen aus DeFi Lending steuerlich behandelt?

Ob die erzielten Zinsen den Kapitaleinkünften oder den sonstigen Einkünften zuzuordnen sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Grundsätzlich lassen sich die meisten Einnahmen jedoch den sonstigen Einkünften nach §22 Nr.3 EStG zuordnen und sind mit dem Marktwert zum Zeitpunkt des Zuflusses zu bewerten. Bei der steuerlichen Bewertung ist also entscheidend, zu welchem Marktwert die Zinsen auf die Wallet zufließen. Dementsprechend handelt es sich um steuerpflichtige Zuflüsse.

Welche steuerlichen Vor- und Nachteile bestehen beim DeFi Lending?

Besitzt die Kryptowährung bei Zufluss einen hohen Marktwert, fallen zunächst Steuern auf den Marktwert zum Zeitpunkt des Zuflusses an. Verliert die Kryptowährung jedoch bis zur Veräußerung stark an Wert, können diese Kursverluste bei Veräußerung steuerlich nicht geltend gemacht werden. Die erhaltenen Kryptowährungen gelten nämlich im steuerlichen Sinne nicht als angeschafft, sondern lediglich als zugeflossen. Mangels Anschaffungsvorgangs können die erhaltenen Kryptowährungen auch unterhalb der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei veräußert werden. Damit lassen sich bei Kursverlusten jedoch auch keine steuerlichen Verluste geltend machen.

Je nach Kursschwankungen kann es ratsam sein, einen Teil der zugeflossenen Kryptowährung zeitnah gegen Euro zu veräußern, um so bei stark sinkenden Kursen über genügend liquide Mittel für eine etwaige Steuernachzahlung zu verfügen .

Sollten die Zinsen in Form von Stablecoins (z.B. DAI, USDC) zufließen, lässt sich dieses Problem geschickt umgehen, da Stabelecoins in der Regel keinen oder nur geringen Kursschwankungen unterlegen.

Was gilt hinsichtlich der Haltefrist bei verliehenen Kryptowährungen?

Grundsätzlich können Kryptowährungen nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei veräußert werden. Ob dies auch für die beim Lending eingesetzten Kryptowährungen gilt, hängt grundsätzlich davon ab, ob die Einkünfte aus der eingesetzten Kryptowährung selbst erzielt werden oder nicht. So kann sich die Haltefrist im Einzelfall von einem auf zehn Jahre erhöhen. Generell ist in den meisten Fällen jedoch nach aktueller Rechtsprechung davon auszugehen, dass die Einkünfte nicht aus der Kryptowährung selbst, sondern durch das Verleihgeschäft erzielt werden und damit die Haltefrist von einem Jahr weiter besteht.

WINHELLER berät zur steueroptimierten Kryptovermögensgestaltung

Gerne sind wir Ihnen bei allen Fragen rund um DeFi-Anwendungen behilflich und unterstützen Sie bei der korrekten steuerrechtlichen Dokumentation Ihrer Einkünfte.

Weiterlesen:
Wie wird Krypto-Lending versteuert?
Kryptosteuern verfassungswidrig? Stellungnahme des Finanzministeriums Hessen

Erik Stephan

Als Steuerassistent und Kryptoexperte berät Erik Stephan bei WINHELLER sowohl gewerbliche als auch private Mandanten. Sein Fokus liegt auf der steuerrechtlichen Beratung und Einordnung komplexer Fragestellungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen.

>> Zum Profil

6 Antworten zu "Besteuerung von Decentralized Finance (DeFi) Lending: Das sollten Kryptoinvestoren wissen"

  1. Peter sagt:

    Guten Tag,

    wie schaut es aus bei dem Safemoon Token?
    Hier bekommt man einen bestimmten Anteil der Tokens auf sein Wallet sobald jemand verkauft oder einkauft.
    Angenommen ich habe 1000 coins und nach 2 Monaten habe ich nur durch das halten des coins
    2000 coins gemacht, weil andere Leute gekauft oder verkauft haben.
    Wie ist dies zu versteuern?

  2. Marco sagt:

    Guten Tag,

    ich hätte gerne gewusst wie es sich mit den Coins verhält, die ich zB alle 12h ausgeschüttet bekomme. Fallen bereits Steuern an für den Wert den die Coins in dem Moment der Ausschüttung haben oder fallen erst Steuern an wenn ich die Coins, die ich durch das lending generiert habe, verkaufe?
    Sprich, wenn ich in einem Jahr coins im Wert von 10 000€ Generiere, muss ich diesen Wert von 10 000€ versteuern, obwohl ich die Coins noch nicht in € gewechselt habe oder fallen erst Steuern beim Wechsel in € an?

    Grüße

    • Hallo Marco,

      abhängig vom Sachverhalt ist schon der Zufluss steuerpflichtig. In dem Fall ist der Kurs im Zeitpunkt des Zuflusses die maßgebliche Größe. Regelmäßig ist es dann so, dass die Veräußerung nicht noch einmal versteuert wird, wenn bereits der Zufluss steuerpflichtig war.

      Mit freundlichen Grüßen
      Philipp Hornung

  3. fragender sagt:

    Guten Tag,

    mich würde besonders interessieren, wie es sich in Deutschland mit der Besteuerung beim Verleihen von Stablecoins, die an den Dollar geknüpft sind verhält.

    Muss bei jedem Zinseingang der Wechselkurs zum Euro festgehalten werden, also mehrmals am Tag bei jedem Eingang von ein paar Dollar ein steuerliches Event mit dem aktuellen Wechselkurs festgehalten werden? Oder genügt es, für das Steuerjahr die Zinserträge in Dollar festzustellen und bei der Auszahlung in Euro ergibt sich der steuerliche Gewinn in Euro? Oder wie wäre hier die Vorgehensweise?

    Vielen Dank und freundliche Grüße

    • Hallo,

      der Zuflusswert ist zum Zeitpunkt des Zuflusses in Euro zu ermitteln. Erfolgt die Gutschrift in USD und werden die USD mit einem Kursgewinn in EUR umgetauscht, stellt das ein privates Veräußerungsgeschäft dar, das ebenfalls zu erfassen ist.

      Mit freundlichen Grüßen
      Philipp Hornung

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WINHELLER-Blog via Newsletter

Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter und erhalten Sie regelmäßig die wichtigsten Beiträge aus dem Wirtschafts- und/oder Gemeinnützigkeitsrecht bequem per E-Mail. Wählen Sie einfach Ihren Wunschnewsletter aus. (Pflichtfelder sind mit * markiert).

German Business Law News (4x jährlich)
Nonprofitrecht aktuell (1x im Monat)
Ich möchte den oder die ausgewählten Newsletter abonnieren und erteile zu diesem Zwecke meine Einwilligung in die Verarbeitung meiner oben angegebenen Daten durch WINHELLER. Die „Hinweise zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletter-Abonnements“ habe ich gelesen.
Mir ist bekannt, dass ich meine erteilte Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft durch Betätigung des Abmeldebuttons innerhalb des Newsletters widerrufen kann. *