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Spenden an NPOs per Amazon Smile: Wer zuletzt lacht…

Die Aufregung um Amazon Smile lässt nicht nach. Was Amazon als Unterstützung des Dritten Sektors verkauft, wird vielfach als billige Marketingmaßnahme kritisiert. Dafür will nicht jede Nonprofit-Organisation ihren Namen hergeben. Andere Organisationen wiederum möchten gerne teilnehmen, dürfen aber nicht.

Amazon Smile ist sog. Charity Shopping

Amazon ist als weltgrößtes Online-Handelsunternehmen meist erste Adresse für das schnelle Online-Shopping. Vermeintlich um der Gesellschaft etwas zurückzugeben, hat Amazon vor einigen Jahren das „Amazon Smile“ Programm gestartet. Hierbei kann ein Käufer über ein gesondertes Portal auswählen, an welche Nonprofit-Organisation das Unternehmen 0,5% des durch ihn erzielten Umsatzes zuwendet. Amazon schreibt die Beträge dann vierteljährlich der entsprechenden NPO gut, falls diese sich für das Programm registriert – ansonsten geht das Geld an eine andere Organisation.

Werbung für Amazon fast zum Nulltarif

Für Amazon dürfte sich das Projekt lohnen, immerhin ist davon auszugehen, dass die registrierten NPOs ihre Unterstützer auf das Smile-Programm aufmerksam machen und so zum Einkauf bei Amazon animieren. Die hierfür abzuführenden 0,5% Umsatzbeteiligung fallen kaum ins Gewicht, betreiben doch die Nonprofit-Organisationen letztlich wirksam Werbung für Amazon.

Nicht jede NPO will mitmachen

Einige der potentiell begünstigten Organisationen möchten nicht für kommerzielle Zwecke vor den Karren des Unternehmens gespannt werden. So wurde etwa foodwatch auf der Amazon-Liste möglicher Spendenorganisationen geführt, ohne jemals um Einverständnis gefragt worden zu sein. In der Tat lehnte die Organisation ihre Nennung entschieden ab, da sie keine Spenden von Unternehmen annimmt, die (auch) in der Lebensmittelbranche tätig sind. Durch das ungewollte Listing hatte Amazon den Eindruck erweckt, Käufer könnten foodwatch über Amazon Smile unterstützen. Tatsächlich wurden auch Umsätze „zugunsten“ von foodwatch getätigt, mangels Registrierung von foodwatch flossen die Zuwendungen aber schließlich an eine andere NPO. Foodwatch sah sich geschädigt, weil nicht auszuschließen war, dass potentielle Spender aufgrund ihrer vermeintlichen Unterstützung durch das Amazon-Smile-Projekt von einer direkten Unterstützung von foodwatch absahen.

Manche NPOs möchten mitmachen, dürfen aber nicht

Manche NPO wiederum möchte gerne von den Amazon-Smile-Zuwendungen profitieren und darf das aber nicht (mehr), weil sie von Amazon ausgeschlossen wird. So erging es kürzlich der christlichen US-Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom (ADF), die seit Start des Amazon-Smile-Projekts im Jahr 2013 zu den Teilnehmern des Programms gehörte. Grund für das Delisting war Medienberichten zufolge die Kritik einer US-Bürgerrechtsorganisation an ADF. ADF sei eine extremistische Anti-LGBT-Organisation, diskriminiere also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.

Teilnahme an Charity Shopping gut durchdenken

Eine solche Löschung aus der Amazon-Smile-Liste zulässiger Empfängerorganisation dürfte rechtlich kaum angreifbar sein. Tatsächlich sind die über das Programm generierten Durchschnittszuwendungen auch relativ niedrig, so dass sich rechtlicher Streit kaum lohnt. Ein fader Beigeschmack allerdings bleibt, wenn ein so marktdominierendes Unternehmen wie Amazon letztlich nach Gutdünken darüber entscheiden darf, Empfängerorganisationen vom Programm auszuschließen.

Umgekehrt sollte sich jede Nonprofit-Organisation gut überlegen, ob sie an Amazon Smile (oder vergleichbaren „Charity Shopping“ Programmen) überhaupt teilnehmen möchte. Falls ja, muss jedenfalls auf eine korrekte Verbuchung der Einnahmen geachtet werden. Es handelt sich nämlich bei den Zuwendungen tatsächlich nicht um Spenden im steuerlichen Sinn, sondern um Entgelte für Werbedienstleistungen. Sie gehören damit je nach konkreter Ausgestaltung in die Sphäre des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs oder der Vermögensverwaltung. Für die Einordnung ist entscheidend, ob die NPO ihrerseits aktiv für das Programm wirbt oder sich lediglich passiv mit Namen und Logo in der Liste der begünstigten Organisationen aufführen lässt.

Weiterlesen:
Was ist Charity Shopping?
Rechtliche und steuerrechtliche Rundumberatung für Ihre gemeinnützige Organisation

Stefan Winheller

Stefan Winheller

Rechtsanwalt Stefan Winheller ist auf das Recht der Nonprofit-Organisationen spezialisiert. Er berät und vertritt gemeinnützige Verbände, Wirtschafts- und Berufsverbände, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften sowie Stiftungen und sonstige Nonprofit-Organisationen, insb. auch religiöse Körperschaften.

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