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Zentralbanken erwägen Einsatz digitaler Währungen

Bitcoin als pseudonyme digitale Währung treibt einige Sorgenfalten auf die Stirn von Aufsehern und Polizeibehörden. Geldwäsche, Internetkriminalität und Terrorismusfinanzierung könnten durch Bitcoin erleichtert werden. Die Finanzindustrie sieht daher die Blockchain, die Technologie hinter Bitcoin, als die eigentliche revolutionäre Entwicklung Satoshi Nakamotos. Die Blockchain ist das dezentrale, offene „Kassenbuch“ das die eindeutige Zuordnung eines jeden Bitcoins erlaubt. Unternehmen wie die amerikanische Börse NASDAQ haben bereits angekündigt, die Blockchain für ihre Zwecke einsetzen zu wollen.

Zentralbanken erwägen den Einsatz der Blockchain

Aber nicht nur private Unternehmen haben das Potential der Blockchain erkannt. Inzwischen gibt es auch innerhalb der staatlichen Zentralbanken Überlegungen, wie man diese Technologie als Instrument der Geldpolitik einsetzen kann. So hat Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England, den Gedanken geäußert, dass die Blockchain eine Lösung für die Probleme der Nullzinspolitik sein könnte. So kann die Zentralbank mit einer vollständig digitalisierten Währung negative Zinssätze durchsetzen, ohne dass für die Bürger eine Flucht in Papiergeld möglich ist.

In Russland hingegen versucht das private Unternehmen Qiwi einen sogenannten BitRubel zu entwickeln. Dazu befindet es sich aktuell in Gesprächen mit der russischen Zentralbank, die als einzige Institution in Russland Geld herausgeben darf. Um die Bedenken der Behörde bezüglich krimineller Aktivitäten zu zerstreuen, soll der BitRubel im Gegensatz zum Bitcoin die Möglichkeit haben, einzelne Benutzer zu identifizieren. Qiwi verspricht sich davon, die Transparenz des klassischen Bankensystems mit den schnellen und kostengünstigen Transaktionen der Blockchain zu verbinden.

Langer Weg zur großen Chance

Sollten die Zentralbanken tatsächlich die Blockchain nutzen, um das staatliche Geld zu digitalisieren, könnte dies eine Revolution der Finanzwelt darstellen. Geschäftsbanken, deren Insolvenz die Ersparnisse der Verbraucher in Gefahr bringen kann, würden nicht mehr benötigt. Die Zentralbank könnte Zinssätze einfach und für verschiedene Personengruppen oder Staaten unterschiedlich festlegen. Auch die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden würde durch eine transparente Blockchain mit nachvollziehbarem Zahlungsverkehr vereinfacht. Auf dem Weg dahin sind jedoch technische, rechtliche sowie Fragen der Akzeptanz zu klären. Wer betreibt die Infrastruktur? Wer haftet für Verluste durch kriminelle Aktivitäten? Auch die Gesellschaftspolitische Frage, wie viel Transparenz im Zahlungsverkehr gewollt ist, wird eine entscheidende Rolle spielen.

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Lutz Auffenberg

Lutz Auffenberg

Rechtsanwalt Lutz Auffenberg ist im bank- und kapitalmarktrechtlichen Dezernat von WINHELLER tätig. Als Experte für Blockchains und das Recht kryptographischer Währungen ist er ein int. gefragter Fachmann. Regelmäßig informiert er auf Fachkonferenzen über den Regulierungsstand zu kryptographischen Währungen und vertritt WINHELLER im globalen Netzwerk "Digital Finance Lawyers."

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