{"id":5302,"date":"2015-09-22T15:10:43","date_gmt":"2015-09-22T13:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=5302"},"modified":"2020-11-23T13:51:07","modified_gmt":"2020-11-23T11:51:07","slug":"keine-gemeinnuetzigkeit-crowdfunding-kickstarter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/keine-gemeinnuetzigkeit-crowdfunding-kickstarter\/","title":{"rendered":"Keine Gemeinn\u00fctzigkeit f\u00fcr Crowdfunding-Plattform Kickstarter"},"content":{"rendered":"<h3>Brauchen wir eine spezielle Social Business-Rechtsform?<\/h3>\n<p>Das Unternehmen Kickstarter Inc. hatte <a href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/blog\/kickstarter-is-now-a-benefit-corporation?ref=charter\"><strong>k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt<\/strong><\/a>, seine Rechtsform in die einer \u201ePublic Benefit Corporation (PBC)\u201c nach US-amerikanischem Recht zu \u00e4ndern. Viele deutschsprachigen Medien (u.a. <a href=\"http:\/\/www.gruenderszene.de\/allgemein\/kickstarter-google-apple\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gr\u00fcnderszene<\/strong><\/a>, <a href=\"http:\/\/www.computerbild.de\/artikel\/cb-News-Internet-Schwarmfinanzierung-Kickstarter-Gemeinnuetzig-13405883.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Computer Bild<\/strong><\/a>, <strong><a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/digital\/id_75508884\/kickstarter-wird-gemeinnuetzig-geldverdienen-zum-oeffentlichen-wohl.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">T-Online<\/a><\/strong>) haben diese Meldung umgehend aufgegriffen \u2013 meist dahingehend, dass Kickstarter nun gemeinn\u00fctzig werde. Dies ist jedoch ein grobes juristisches Missverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>Kickstarter wird nicht gemeinn\u00fctzig, weder nach US-amerikanischen Verst\u00e4ndnis (\u201eTax Exempt Organizations\u201c gem. Internal Revenue Code \u00a7 501[c][3]) noch nach der deutschen Auffassung von einer gemeinn\u00fctzigen Organisation (\u00a7\u00a7 51 ff. Abgabenordnung [AO]). Denn zentrales Kriterium f\u00fcr die Zuerkennung des Gemeinn\u00fctzigkeitsstatus\u2018 (und damit f\u00fcr umfassende Steuerbefreiungen) ist, dass keine Gewinne an die Investoren ausgesch\u00fcttet werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3>Investoren erwarten Rendite<\/h3>\n<p>H\u00e4tte sich Kickstarter tats\u00e4chlich in eine gemeinn\u00fctzige K\u00f6rperschaft umgewandelt, w\u00e4re das vor diesem Hintergrund \u00e4u\u00dferst nachteilig f\u00fcr die Investoren gewesen. Denn trotz aller Begeisterung f\u00fcr die \u201egute Sache\u201c, finanzieren Investoren Unternehmen in aller Regel noch immer in erster Linie deswegen, weil sie sich davon einen vern\u00fcnftigen Return on Investment versprechen. W\u00e4re Kickstarter wirklich gemeinn\u00fctzig, w\u00e4re das Unternehmen f\u00fcr Investoren, die auf das Erwirtschaften einer Rendite aus sind, in keiner Weise mehr interessant.<\/p>\n<p>Richtig ist, dass das Unternehmen eine Rechtsform gew\u00e4hlt hat, die eine Kombination aus dem \u201eguten Zweck\u201c und der M\u00f6glichkeit, Dividenden auszusch\u00fctten, erm\u00f6glicht: eben die der PBC, einer in den USA recht jungen Unternehmensform. Als solche genie\u00dft Kickstarter keine steuerliche Privilegierung und ist und bleibt eine gewerbliche Unternehmung \u2013 eine \u201eFor Profit Corporation\u201c statt einer gemeinn\u00fctzigen \u201eCharitable Organization\u201c bzw. \u201eNon Profit Organization\u201c. Die Besonderheit: Als PBC verschreibt sich Kickstarter zus\u00e4tzlich gewissen sozialen Werten und verpflichtet sich ferner, 5% seiner Gewinne zu spenden.<\/p>\n<h3>Rechtsformwechsel in\u00a0Public Benefit Corporation\u00a0begr\u00fc\u00dfenswert<\/h3>\n<p>Der Rechtsformwechsel von Kickstarter ist zu begr\u00fc\u00dfen: Es ist verdienstvoll, wenn sich ein grunds\u00e4tzlich gewinnorientiertes Unternehmen selbst der Verpflichtung unterwirft, auch gesellschaftlichen und sozialen Zwecken zu dienen. Dass ein in der Crowdfunding-Szene bekanntes Unternehmen wie Kickstarter diesen Schritt geht, kann dem Social Business-Gedanken nur f\u00f6rderlich sein. Auch hierzulande w\u00fcrde sich eine solche Rechtsform f\u00fcr all diejenigen Unternehmen eignen, die den Social Business-Gedanken f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Angesprochen sind hier alle, die bewusst auf die <a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht.html\"><strong>Gemeinn\u00fctzigkeit und ihre Steuerverg\u00fcnstigungen<\/strong><\/a> sowie die damit einhergehenden zahlreichen administrativen Verpflichtungen verzichten und in einer gewerblichen Rechtsform (z. B. als GmbH) ihren Gesch\u00e4ften nachgehen, dabei aber nicht das Streben nach Gewinn in den Vordergrund r\u00fccken, sondern mit ihrem Wirken vor allem soziale Ziele verfolgen. Ein prominentes Beispiel daf\u00fcr sei die <strong>Yunus Social Business GmbH<\/strong>.<\/p>\n<h3>Deutsches Recht reformbed\u00fcrftig?<\/h3>\n<p>F\u00fcr die Zukunft w\u00e4re eine differenzierte Diskussion w\u00fcnschenswert. Deren Kern sollte die Frage bilden, ob das deutsche Gemeinn\u00fctzigkeits- und Gesellschaftsrecht den Social Business-Gedanken bereits hinreichend abbildet oder ob auch das deutsche Recht einer speziellen Social Business-Rechtsform bedarf.<\/p>\n<p>Weiterlesen:<br \/>\n<a href=\"kleinanlegerschutzgesetz-ausnahmen-crowdfunding-npos\/\"><strong>Kleinanlegerschutzgesetz: Weitreichende Ausnahmen f\u00fcr Crowdfunding und gemeinn\u00fctzige K\u00f6rperschaften<br \/>\n<\/strong><\/a><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht.html\"><strong>Beratung f\u00fcr NPOs in Sachen Crowdfunding und Social Business<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brauchen wir eine spezielle Social Business-Rechtsform? Das Unternehmen Kickstarter Inc. hatte k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt, seine Rechtsform in die einer \u201ePublic Benefit Corporation (PBC)\u201c nach US-amerikanischem Recht zu \u00e4ndern. Viele deutschsprachigen Medien (u.a. 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