{"id":22739,"date":"2026-01-08T11:37:36","date_gmt":"2026-01-08T09:37:36","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=22739"},"modified":"2026-03-26T18:31:35","modified_gmt":"2026-03-26T16:31:35","slug":"honorarkraefte-sozialversicherung-2027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/honorarkraefte-sozialversicherung-2027\/","title":{"rendered":"Honorarkr\u00e4fte und Sozialversicherung: Warum Bildungstr\u00e4ger ihre Honorarlehrkr\u00e4fte neu aufstellen m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<p>Das \u201eHerrenberg-Urteil\u201c des Bundessozialgerichts (BSG) hat die <strong>Rechtslage f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte auf Honorarbasis<\/strong> deutlich versch\u00e4rft und viele bisherige Honorarmodelle im Bildungsbereich ins Wanken gebracht. Zugleich hat der Gesetzgeber mit \u00a7 127 SGB IV eine <strong>befristete Ausnahmeregelung<\/strong> geschaffen, die nur bis zum <strong>31.12.2027<\/strong> gilt und danach ersatzlos ausl\u00e4uft. Bildungstr\u00e4ger und sonstige Einrichtungen, die mit Lehrkr\u00e4ften auf Honorarbasis arbeiten, m\u00fcssen diese Zeit nutzen, um ihre Vertragsmodelle rechtssicher neu aufzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Herrenberg-Urteil: Honorarlehrkr\u00e4fte regelm\u00e4\u00dfig besch\u00e4ftigt<\/h2>\n\n\n\n<p>Im sogenannten \u201eHerrenberg-Urteil\u201c (B 12 R 3\/20 R) entschied das BSG, dass eine Musikschullehrerin, die als Honorarkraft f\u00fcr eine kommunale Musikschule t\u00e4tig war, <strong>sozialversicherungsrechtlich als Besch\u00e4ftigte anzusehen<\/strong> ist. Ma\u00dfgebliche Kriterien waren unter anderem:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Einbindung in das Unterrichtsangebot<\/strong> der Schule und deren Kursplan<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Vorgabe von Zeit und Ort des Unterrichts<\/strong> durch die Einrichtung oder deren organisatorische Vorgaben<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Nutzung der Infrastruktur<\/strong> der Einrichtung (R\u00e4ume, Instrumente, Verwaltung)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fehlen entscheidender unternehmerischer Freiheiten<\/strong> (keine eigene Preisgestaltung, keine eigenst\u00e4ndige Sch\u00fclerakquise, kaum eigenes Unternehmerrisiko)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Entscheidend ist damit nicht die Bezeichnung als \u201eHonorarkraft\u201c oder die Konstruktion als Einzelauftragsvertrag, sondern das <strong>Gesamtbild der T\u00e4tigkeit<\/strong>. In typischen institutionell organisierten Lehrsituationen (Musikschulen, Volkshochschulen, verbandliche Bildungseinrichtungen) f\u00fchrt dieses Gesamtbild regelm\u00e4\u00dfig zur <strong>Einstufung als abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer formal als Honorarkraft gef\u00fchrt wird, tats\u00e4chlich aber nach diesen Kriterien besch\u00e4ftigt ist, gilt als <strong>scheinselbstst\u00e4ndig<\/strong> \u2013 mit erheblichen Folgen: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen (bis zu vier Jahre r\u00fcckwirkend, bei Vorsatz bis zu 30 Jahre), S\u00e4umniszuschl\u00e4ge und im Extremfall <strong>strafrechtliche Risiken<\/strong> nach \u00a7 266a StGB. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ist in diesem Bereich deutlich aktiver geworden und pr\u00fcft Honorarkr\u00e4fte im Bildungssektor inzwischen sehr genau.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a7 127 SGB IV: \u00dcbergangsschutz nur bis 31.12.2027<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Reaktion auf die Verunsicherung durch das Herrenberg-Urteil hat der Gesetzgeber mit \u00a7 127 SGB IV eine <strong>befristete Ausnahmeregelung<\/strong> eingef\u00fchrt, die <strong>f\u00fcr bestimmte Lehrt\u00e4tigkeiten<\/strong> (insbesondere im Musikschul- und Bildungsbereich) einen \u00dcbergangsschutz bietet. Ziel ist, abrupten Beitragsnachforderungen entgegenzuwirken und den Einrichtungen Zeit zu geben, ihre Modelle umzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wesentlich ist jedoch: Diese Sonderregelung gilt nur <strong>bis zum 31.12.2027<\/strong>. Ab dem 01.01.2028 greifen die allgemeinen Regeln des Statusrechts wieder uneingeschr\u00e4nkt; der durch \u00a7 127 SGB IV vermittelte \u00dcbergangsschutz entf\u00e4llt vollst\u00e4ndig. Einrichtungen, die bis dahin keine Anpassungen vornehmen, laufen Gefahr, ab 2028 mit voller Beitragslast und allen Risikokonsequenzen konfrontiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Handlungsbedarf: Lehr- und Honorarvertr\u00e4ge jetzt \u00fcberpr\u00fcfen<\/h2>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen insbesondere folgende Akteure aktiv werden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kommunale und private <strong>Musikschulen<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Volkshochschulen<\/strong> und sonstige \u00f6ffentliche <strong>Bildungsanbieter<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Kirchliche, verbandliche und private <strong>Akademien und Fortbildungsinstitute<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Zentrale Fragen f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate und Jahre bis Ende 2027 sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welche Lehrkr\u00e4fte sind nach den aktuellen Kriterien des BSG faktisch besch\u00e4ftigt, obwohl sie bisher als Honorarkr\u00e4fte gef\u00fchrt werden?<\/li>\n\n\n\n<li>Entsprechen die Lehrvertr\u00e4ge den Anforderungen von BAG und BSG?<\/li>\n\n\n\n<li>Wo l\u00e4sst sich realistisch eine echte Selbstst\u00e4ndigkeit mit ausreichenden unternehmerischen Freir\u00e4umen gestalten?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Vertr\u00e4ge m\u00fcssen in Arbeitsverh\u00e4ltnisse \u00fcberf\u00fchrt werden, um sozialversicherungsrechtliche Risiken zu vermeiden?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie lassen sich Statusfeststellungsverfahren nach \u00a7 7a SGB IV sinnvoll nutzen, um f\u00fcr einzelne Konstellationen fr\u00fchzeitig Klarheit zu gewinnen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbergangszeit bis 31.12.2027 ist damit vor allem ein <strong>Planungs- und Umstellungsfenster<\/strong>. Wer erst Ende 2027 reagiert, muss dies voraussichtlich unter dem Druck laufender Betriebspr\u00fcfungen und m\u00f6glicher Nachforderungen tun.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir unterst\u00fctzen bei der rechtssicheren Neusortierung von Lehr- und Honorarverh\u00e4ltnissen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Neusortierung von Lehr- und Honorarverh\u00e4ltnissen und den zugrunde liegenden Vertr\u00e4gen ist <strong>rechtlich komplex<\/strong> und mit <strong>erheblichen wirtschaftlichen Risiken<\/strong> verbunden. Es geht nicht nur um Vertragsmuster, sondern um:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die sachgerechte <strong>Statusanalyse<\/strong> einzelner T\u00e4tigkeiten<\/li>\n\n\n\n<li>Die Abstimmung von <strong>Arbeits-, Sozialversicherungs- und Steuerrecht<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Die strategische Nutzung und Ausgestaltung von <strong>Statusfeststellungsverfahren<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Unsere spezialisierte anwaltliche Beratung kann helfen,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>bestehende Lehr- und Honorarvertr\u00e4ge systematisch zu pr\u00fcfen,<\/li>\n\n\n\n<li>tragf\u00e4hige Modelle (Arbeitsvertrag vs. echte freie Mitarbeit) zu entwickeln und<\/li>\n\n\n\n<li>Einrichtungen durch Statusverfahren und m\u00f6gliche DRV Pr\u00fcfungen zu begleiten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Angesichts des klaren Enddatums <strong>31.12.2027<\/strong> sollten Einrichtungen die \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Lehrauftr\u00e4ge und Honorarvereinbarungen nicht weiter aufschieben. Wer jetzt handelt und anwaltliche Expertise nutzt, kann seine Strukturen geordnet und <strong>zukunftsfest f\u00fcr 2028<\/strong> und die folgenden Jahre aufstellen \u2013 statt sp\u00e4ter unter Zeitdruck und mit hohem finanziellen Risiko reagieren zu m\u00fcssen. Unsere erfahrenen Anw\u00e4lte sind Ihnen dabei gerne behilflich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eHerrenberg-Urteil\u201c des Bundessozialgerichts (BSG) hat die Rechtslage f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte auf Honorarbasis deutlich versch\u00e4rft und viele bisherige Honorarmodelle im Bildungsbereich ins Wanken gebracht. 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