{"id":22463,"date":"2025-09-30T12:20:00","date_gmt":"2025-09-30T10:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=22463"},"modified":"2025-09-30T12:20:01","modified_gmt":"2025-09-30T10:20:01","slug":"onlineseminare-npo-zulassungspflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/onlineseminare-npo-zulassungspflicht\/","title":{"rendered":"Sind Onlineseminare gemeinn\u00fctziger Organisationen jetzt zulassungspflichtig?"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) hat klargestellt, dass Online-Coachings und Bildungsangebote, bei denen \u00fcberwiegend asynchrone Lernanteile vorliegen und der Lernerfolg durch den Lehrenden \u00fcberwacht wird, dem <strong>Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG)<\/strong> unterliegen und daher <strong>zulassungspflichtig<\/strong> sind. Fehlt die erforderliche Zulassung, ist der Vertrag nichtig und Teilnehmer k\u00f6nnen bereits gezahlte Geb\u00fchren zur\u00fcckfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil betrifft auch Bildungstr\u00e4ger und <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht.html\" title=\"\">gemeinn\u00fctzige Organisationen<\/a><\/strong>, die Onlineseminare anbieten. Der Beitrag erl\u00e4utert die Hintergr\u00fcnde, die wesentlichen Entscheidungen des BGH sowie die praktischen Folgen f\u00fcr die Gestaltung von Bildungsangeboten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teilnehmer fordert R\u00fcckerstattung von Geb\u00fchren<\/h2>\n\n\n\n<p>Im zugrundeliegenden Fall schloss ein Teilnehmer einen Vertrag \u00fcber ein neunmonatiges \u201eBusiness-Mentoring-Programm Finanzielle Fitness\u201c zum Preis von 47.600 Euro ab. Das Angebot umfasste <strong>aufgezeichnete Lehrvideos<\/strong>, regelm\u00e4\u00dfige <strong>Live-Calls<\/strong>, <strong>Hausaufgaben<\/strong> sowie verschiedene M\u00f6glichkeiten zur <strong>individuellen Kl\u00e4rung der Inhalte<\/strong>. F\u00fcr dieses Programm lag jedoch keine Zulassung nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz vor. Nach einigen Wochen k\u00fcndigte der Teilnehmer den Vertrag fristlos und forderte die R\u00fcckerstattung von bereits gezahlten 23.800 Euro. W\u00e4hrend das Landgericht noch zugunsten des Anbieters entschied, gab das Oberlandesgericht Stuttgart dem R\u00fcckzahlungsanspruch statt. Der Bundesgerichtshof best\u00e4tigte diese Entscheidung in letzter Instanz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist Fernunterricht?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BGH stellte fest, dass das Programm als <strong>Fernunterricht gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 FernUSG<\/strong> anzusehen ist. Fernunterricht liegt vor, wenn<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>der Lehrgang <strong>entgeltlich<\/strong> ist,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kenntnisse und F\u00e4higkeiten<\/strong> vermittelt werden,<\/li>\n\n\n\n<li>\u00fcberwiegend eine r<strong>\u00e4umliche Trennung<\/strong> zwischen Lehrendem und Lernendem besteht (\u00fcber 50% asynchrone Anteile, z.B. zeitversetzter Abruf von Videoinhalten),<\/li>\n\n\n\n<li>und der Veranstalter den <strong>Lernerfolg \u00fcberwacht<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">BGH: Einstufung als Fernunterricht<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BGH best\u00e4tigte, dass Online-Coachings mit <strong>\u00fcberwiegendem asynchronem Lernen<\/strong> Fernunterricht darstellen. Live-Online-Meetings, die aufgezeichnet und sp\u00e4ter abrufbar sind, gelten als asynchron und begr\u00fcnden somit die r\u00e4umliche Trennung. Entscheidend ist das Ausma\u00df der asynchronen Anteile. Auch die \u00dcberwachung des Lernerfolgs, etwa durch Q&amp;A-Angebote und individuelle Betreuung, reicht f\u00fcr die Einstufung aus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/news\/newsletter\/nonprofitrecht-aktuell.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">M\u00f6chten Sie Neuigkeiten wie diese monatlich in Ihr Postfach erhalten? Abonnieren Sie hier unseren Newsletter Nonprofitrecht aktuell.<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p>Wichtig ist zudem, dass das FernUSG nicht nur dem Verbraucherschutz dient, sondern auch Unternehmer einschlie\u00dft (also B2B-Gesch\u00e4fte).<\/p>\n\n\n\n<p>Fehlt die erforderliche Zulassung, ist der <strong>Vertrag<\/strong> gem\u00e4\u00df \u00a7 7 Abs. 1 FernUSG <strong>nichtig<\/strong>. Der Anbieter kann dann keine R\u00fcckzahlung abz\u00fcglich ersparter Aufwendungen geltend machen, so dass die <strong>volle R\u00fcckzahlungsverpflichtung<\/strong> besteht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Folgen f\u00fcr Bildungstr\u00e4ger und NPOs: Zulassung bei ZFU<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil fordert alle Anbieter \u2013 insbesondere gemeinn\u00fctzige Organisationen, Bildungstr\u00e4ger und Verb\u00e4nde \u2013 auf, ihre <strong>Online-Bildungsprogramme sorgf\u00e4ltig zu pr\u00fcfen<\/strong>. Sind die Voraussetzungen f\u00fcr Fernunterricht erf\u00fcllt (entgeltlich, Lerninhalte, \u00fcberwiegende asynchrone Anteile, Lernerfolgskontrolle), ist eine <strong>Zulassung bei der Staatlichen Zentralstelle f\u00fcr Fernunterricht (ZFU)<\/strong> zwingend.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei gilt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Teilnahmegeb\u00fchren ohne g\u00fcltige Zulassung bergen das Risiko der Nichtigkeit und R\u00fcckzahlungspflicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Aufzeichnungen von Live-Online-Seminaren gelten als asynchrones Lernen und erfordern die Zulassungspflicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Selbst die M\u00f6glichkeit zur fachlichen Fragenstellung gilt als Lernerfolgskontrolle.<\/li>\n\n\n\n<li>Wer die Zulassung vermeiden m\u00f6chte, sollte auf asynchrone Inhalte verzichten, keine Lernerfolgskontrollen anbieten und Online-Bildungsangebote ausschlie\u00dflich synchron durchf\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr regelm\u00e4\u00dfig angebotene Kurse mit unver\u00e4nderten Inhalten kann die Zulassung auch als Qualit\u00e4tsmerkmal dienen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Urteil hat auch wettbewerbsrechtliche Bedeutung: Anbieter ohne Zulassung riskieren Abmahnungen und Bu\u00dfgelder.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anforderungen an Online-Bildungsangebote versch\u00e4rft<\/h2>\n\n\n\n<p>Das BGH-Urteil schafft Rechtssicherheit, <strong>versch\u00e4rft aber deutlich die Anforderungen<\/strong> an Online-Bildungsangebote. Gemeinn\u00fctzige Organisationen und Bildungstr\u00e4ger sollten pr\u00fcfen, ob ihre Angebote unter das FernUSG fallen, und gegebenenfalls die notwendige Zulassung beantragen. Andernfalls drohen Vertragsnichtigkeit und R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche der Teilnehmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Anbieter, die keine Zulassung anstreben, sollten <strong>asynchrone Elemente minimieren<\/strong>, auf Lernerfolgskontrollen verzichten und sich auf ein rein synchrones Format beschr\u00e4nken.<br>Gemeinn\u00fctzige Organisationen sollten ihre Bildungsprogramme entsprechend ausrichten und dokumentieren, um rechtliche Risiken zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beratung zur Gestaltung von Bildungsangeboten<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bieten Sie Onlineseminare oder Coachings mit Aufzeichnungen oder zeitversetzten Lernanteilen an?<\/li>\n\n\n\n<li>Kontrollieren Sie auf irgendeine Weise den Lernerfolg Ihrer Teilnehmer, z.B. durch Q&amp;A oder Feedback?<\/li>\n\n\n\n<li>Liegt f\u00fcr Ihre Fernlehrg\u00e4nge eine Zulassung nach dem FernUSG vor?<\/li>\n\n\n\n<li>Sind Sie auf R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche bei R\u00fccktritt eines Teilnehmers vorbereitet?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bei Unsicherheiten steht das NPO-Team als Experten f\u00fcr <strong>individuelle Beratung<\/strong> zu allen Fragen rund um das FernUSG, Zulassungspflichten und die rechtssichere Gestaltung von Bildungsangeboten gerne zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=BGH+Urteil+12.06.2025+III+ZR+109%2F24\" title=\"\">BGH, Urteil v. 12.06.2025, III ZR 109\/24<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtshof (BGH) hat klargestellt, dass Online-Coachings und Bildungsangebote, bei denen \u00fcberwiegend asynchrone Lernanteile vorliegen und der Lernerfolg durch den Lehrenden \u00fcberwacht wird, dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) unterliegen und daher zulassungspflichtig sind. 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