{"id":15797,"date":"2022-01-27T16:50:09","date_gmt":"2022-01-27T14:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=15797"},"modified":"2023-12-18T11:21:12","modified_gmt":"2023-12-18T09:21:12","slug":"verbandsstrafen-fussball-zulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/verbandsstrafen-fussball-zulaessig\/","title":{"rendered":"Verbandsstrafen im Fu\u00dfball sind zul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/verbandsstrafe-fussball.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"267\" src=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/verbandsstrafe-fussball.jpg\" alt=\"Verbandsstrafen im Fu\u00dfball sind zul\u00e4ssig\" class=\"wp-image-15800\" srcset=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/verbandsstrafe-fussball.jpg 400w, https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/verbandsstrafe-fussball-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Das DFB-Sportgericht verh\u00e4ngt regelm\u00e4\u00dfig Geldstrafen gegen Fu\u00dfballclubs wegen Ausschreitungen und Randalen ihrer Fans. So traf es auch den FC Carl Zeiss Jena (FCC), der zur Zahlung einer <strong>Geldstrafe<\/strong> von <strong>25.000 Euro<\/strong> verpflichtet wurde. Der Grund: Aus dem Fanblock des FCC wurde bei drei Spielen Pyrotechnik abgebrannt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun h\u00f6chstrichterlich entschieden, dass die vom DFB verh\u00e4ngten Verbandsstrafen zul\u00e4ssig sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vereine haften f\u00fcr Fans<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Entscheidung des BGH liegt eine Klage des ehemaligen Fu\u00dfball-Drittligisten FC Carl Zeiss Jena zugrunde. W\u00e4hrend der Saison 2018\/19 kam es an insgesamt drei Spieltagen zu <strong>Ausschreitungen im Fan-Block<\/strong> des FCC. Dabei wurden unter anderem Gegenst\u00e4nde aufs Spielfeld geworfen und Pyrotechnik abgebrannt. Im Nachgang zu diesen Ausschreitungen belegte das DFB-Sportgericht den Verein mit einer Geldstrafe in H\u00f6he von rund 25.000 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundlage f\u00fcr diese Entscheidung war \u00a7 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, wonach <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/vereinsrecht-verbandsrecht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereine<\/a><\/strong> verschuldensunabh\u00e4ngig f\u00fcr das Verhalten ihrer Mitglieder, Spieler, Anh\u00e4nger und Zuschauer haften. Werden Strafen durch den DFB verh\u00e4ngt, handelt es sich um sog. <strong>Verbandsstrafen<\/strong> \u2013 einer vereinsinternen Sanktion, die keine Verurteilung im strafrechtlichen Sinne ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">OLG Frankfurt: Verbandsstrafe ist zul\u00e4ssig<\/h2>\n\n\n\n<p>Gegen die Entscheidung des DFB-Sportgerichts versuchte sich der Verein mit einer Schiedsklage vor dem st\u00e4ndigen Schiedsgericht f\u00fcr die 3. Liga beim DFB zu wehren \u2013 ohne Erfolg. Er erhob daher Klage vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt auf Aufhebung der Schiedsentscheidung. Doch auch das OLG Frankfurt hielt das Konzept der Verbandsstrafen f\u00fcr zul\u00e4ssig, da es dem Institut der Gef\u00e4hrdungshaftung entspreche.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielhaft greift das OLG auf den Halter eines Kfz zur\u00fcck: Dieser hafte aufgrund der von seinem Auto ausgehenden Gefahren unabh\u00e4ngig davon, wer tats\u00e4chlich gefahren ist (vgl. \u00a7 7 Abs. 1 StVG). Gleichzeitig k\u00f6nne der Eigent\u00fcmer des Fahrzeugs jedoch die Vorteile seines Autos nutzen. Dem Gericht zufolge lassen sich diese Grunds\u00e4tze \u00fcbertragen: Denn durch die Teilnahme am Ligabetrieb erhielten die Vereine <strong>finanzielle M\u00f6glichkeiten und Vorteile<\/strong>. Im Gegenzug m\u00fcssten die Vereine aber auch f\u00fcr die damit verbundenen Gefahren, hier die z\u00fcndelnden Fans, haften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kein Versto\u00df gegen Schuldgrundsatz<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Verein gab nicht auf und legte Beschwerde beim BGH ein \u2013 allerdings auch hier ohne Erfolg. Er argumentierte, dass die verschuldensunabh\u00e4ngige Haftung der Vereine f\u00fcr das Verhalten ihrer Mitglieder, Spieler, Anh\u00e4nger und Zuschauer gegen die \u00f6ffentliche Ordnung (ordre public) versto\u00dfe, da sie den sog. <strong>Schuldgrundsatz<\/strong> verletze. Dieser Grundsatz besagt, dass die Verh\u00e4ngung einer Strafe oder einer straf\u00e4hnlichen Sanktion nur m\u00f6glich ist, sofern eine <strong>Schuld des T\u00e4ters<\/strong> vorliegt. Die Zurechnung des Verschuldens von dritten Personen \u2013 hier der randalierenden Fans \u2013 zum Verein sei demnach unzul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/news\/newsletter\/nonprofitrecht-aktuell-npr.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">M\u00f6chten Sie Neuigkeiten wie diese monatlich in Ihr Postfach erhalten? Abonnieren Sie hier unseren Newsletter Nonprofitrecht aktuell.<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p>Der BGH lehnte diese Argumentation ab: Die \u201eVerbandsstrafe\u201c stelle keine Strafe dar, sodass kein Versto\u00df gegen den Schuldgrundsatz vorliegen k\u00f6nne. Denn sie diene nicht dazu, das vergangene Fehlverhalten des Vereins zu sanktionieren, sondern solle stattdessen den k\u00fcnftigen <strong>ordnungsgem\u00e4\u00dfen Spielbetrieb<\/strong> sicherstellen. Die Verbandsstrafe habe somit keine repressive, sondern eine pr\u00e4ventive Funktion. Mit anderen Worten: Die \u201eGeldstrafe\u201c soll den Verein nicht f\u00fcr das vergangene Verhalten seiner randalierenden Fans bestrafen, sondern ihn stattdessen dazu bewegen, entsprechende Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen \u2013 wie z.B. die Ermittlung und Inregressnahme der T\u00e4ter \u2013 umzusetzen, damit sich die Randale in Zukunft nicht mehr wiederholen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vereine k\u00f6nnen Geldstrafen von Fans zur\u00fcckfordern<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung des BGH hat zur Folge, dass der DFB auch k\u00fcnftig verschuldensunabh\u00e4ngige Verbandsstrafen gegen Vereine mit randalierenden Fans verh\u00e4ngen kann. Mittlerweile ist jedoch h\u00f6chstrichterlich gekl\u00e4rt, dass Vereine die Geldstrafen des DFB von ihren Fans in Form von Schadensersatz zur\u00fcckfordern k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen aber eine <strong>eindeutige Identifizierung<\/strong> und <strong>konkrete Tathandlung<\/strong> nachweisen k\u00f6nnen. Unsere spezialisierten Anw\u00e4lte helfen Ihnen gerne bei der Um- und Durchsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=BGH+Beschluss+04.11.2021+I+ZB+54%2F20\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BGH, Beschluss v. 04.11.2021 &#8211; I ZB 54\/20<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Weiterlesen:<br><strong><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/fussballvereine-geldstrafen-randalierende-fans\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K\u00f6nnen Fu\u00dfballvereine Geldstrafen an randalierende Fans weiterreichen?<\/a><\/strong><br><strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/vereinsrecht-verbandsrecht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anwalt f\u00fcr Vereinsrecht &amp; Verbandsrecht<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das DFB-Sportgericht verh\u00e4ngt regelm\u00e4\u00dfig Geldstrafen gegen Fu\u00dfballclubs wegen Ausschreitungen und Randalen ihrer Fans. 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