{"id":15566,"date":"2021-12-23T10:00:00","date_gmt":"2021-12-23T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=15566"},"modified":"2022-02-17T17:44:42","modified_gmt":"2022-02-17T15:44:42","slug":"steuerliche-und-haftungsrechtliche-folgen-bei-scheinarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/steuerliche-und-haftungsrechtliche-folgen-bei-scheinarbeit\/","title":{"rendered":"Steuerliche und haftungsrechtliche Folgen bei Scheinarbeit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/steuerrechtliche-haftungsrechtliche-folgen-scheinarbeit.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"267\" src=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/steuerrechtliche-haftungsrechtliche-folgen-scheinarbeit.jpeg\" alt=\"Steuerliche und haftungsrechtliche Folgen bei Scheinarbeit\" class=\"wp-image-15650\" srcset=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/steuerrechtliche-haftungsrechtliche-folgen-scheinarbeit.jpeg 400w, https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/steuerrechtliche-haftungsrechtliche-folgen-scheinarbeit-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das Arbeitsgericht Wiesbaden hat k\u00fcrzlich entschieden, dass eine ehemalige Mitarbeiterin der AWO Wiesbaden, die tats\u00e4chlich nie f\u00fcr die AWO gearbeitet hat, <strong>knapp 117.000 Euro an Gehalt zur\u00fcckzahlen <\/strong>muss. W\u00e4hrend der arbeitsrechtliche Teil dieses Falles somit gekl\u00e4rt wurde, stellt sich die Frage, welche steuerlichen und haftungsrechtlichen Folgen der AWO Wiesbaden bzw. NPOs generell bei Scheinarbeit drohen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Scheinarbeit bei der AWO<\/h2>\n\n\n\n<p>In dem Fall vor dem Arbeitsgericht Wiesbaden ging es um eine <strong>ehemalige Mitarbeiterin<\/strong>, die v<strong>on 2017 bis 2020 bei der AWO Wiesbaden formell angestellt<\/strong> war, <strong>tats\u00e4chlich<\/strong> jedoch<strong> keine einzige Sekunde Arbeit geleistet<\/strong> hatte. Als Gehalt erhielt sie rund 8.000 Euro brutto im Monat sowie einen eigenen Dienstwagen. Dieser Scheinarbeitsvertrag wurde damals von der \u2013 mittlerweile ehemaligen \u2013 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der AWO mit der Mitarbeiterin abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche steuerlichen Folgen drohen einer NPO bei Scheinarbeit?&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Zahlung der Geh\u00e4lter an die Scheinmitarbeiterin handelt es sich um eine <strong>Mittelfehlverwendung<\/strong>, die regelm\u00e4\u00dfig zur <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/aberkennung-gemeinnuetzigkeit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit<\/a><\/strong> durch das Finanzamt f\u00fchrt. Das h\u00e4tte f\u00fcr die NPO unmittelbare finanzielle Folgen, denn sie muss m\u00f6glicherweise <strong>hohe Steuernachzahlungen<\/strong> leisten. Au\u00dferdem verlieren NPOs mit dem <strong>Verlust<\/strong> ihrer Gemeinn\u00fctzigkeit meist das Recht, <strong>staatliche Zusch\u00fcsse <\/strong>zu beantragen. Bereits gew\u00e4hrte <strong>Zusch\u00fcsse<\/strong> <strong>fordert<\/strong> die <strong>\u00f6ffentliche Hand gegebenenfalls zur\u00fcck<\/strong>. Und schlie\u00dflich ist ein <strong>Einbruch der Spendeneinnahmen<\/strong> sehr wahrscheinlich. Denn die Spender k\u00f6nnen zum einen ihre Zuwendungen im Rahmen der Steuererkl\u00e4rung nur geltend machen, wenn der Spendenempf\u00e4nger gemeinn\u00fctzig ist. Zum anderen f\u00fchren solche Skandale zu einem <strong>massiven Reputationsverlust<\/strong> in der \u00d6ffentlichkeit, sodass sich der Gro\u00dfteil der bisherigen F\u00f6rderer von der NPO abwenden k\u00f6nnte. Im <strong>schlimmsten Fall<\/strong> f\u00fchrt die Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit somit zur <strong>Insolvenz<\/strong> der betroffenen NPO.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Haftungsrechtliche Folgen<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Regel werden die Finanz\u00e4mter versuchen, die Vorst\u00e4nde und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer auf ausstehende Steuernachzahlungen in Haftung zu nehmen. Und auch die NPO selbst sollte gegen die Verantwortlichen vorgehen, um in Zukunft nicht erneut den Verlust der Gemeinn\u00fctzigkeit zu riskieren. Im tats\u00e4chlichen <strong>Insolvenzfall<\/strong> <strong>drohen<\/strong> zudem <strong>Schadensersatzklagen<\/strong> <strong>des<\/strong> <strong>Insolvenzverwalters<\/strong>. In besonders schweren F\u00e4llen kann das Leitungspersonal auch strafrechtlich sanktioniert werden, etwa wegen Untreue und Steuerhinterziehung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/news\/newsletter\/nonprofitrecht-aktuell.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">M\u00f6chten Sie Neuigkeiten wie diese monatlich in Ihr Postfach erhalten? Abonnieren Sie hier unseren Newsletter Nonprofitrecht aktuell.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die NPO selbst darf sich nicht in Sicherheit wiegen: Zwar wurde das geplante Verbandssanktionengesetz von der alten Bundesregierung aufgrund interner Streitigkeiten nicht mehr vor der Bundestagswahl verabschiedet. Das \u00e4ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass es in n\u00e4herer Zukunft ein \u2013 wenn auch abge\u00e4ndertes \u2013 <strong><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/verbandssanktionengesetz-gemeinnuetzige-organisationen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verbandssanktionengesetz<\/a><\/strong> geben wird. NPOs m\u00fcssen daher k\u00fcnftig mit weitaus st\u00e4rkeren Sanktionen rechnen als bisher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie k\u00f6nnen sich NPOs und ihre Mitarbeiter absichern?<\/h2>\n\n\n\n<p>Um die schwerwiegenden finanziellen und strafrechtlichen Folgen zu vermeiden, die aus der Besch\u00e4ftigung eines Scheinmitarbeiters und der anschlie\u00dfenden Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit resultieren, k\u00f6nnen NPOs vielf\u00e4ltige <strong>Ma\u00dfnahmen<\/strong> ergreifen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Internal Investigations<\/strong>:&nbsp;Besteht der Verdacht einer strafbaren Handlung im Vorstand\/in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung oder von sonstigen Mitarbeitern, kann die Durchf\u00fchrung einer internen Untersuchung (sog. Internal Investigation) sinnvoll sein. Dabei \u00fcberpr\u00fcft in der Regel ein externer Experte (in der Regel: Rechtsanw\u00e4lte oder Wirtschaftspr\u00fcfer) die bisherige T\u00e4tigkeit der NPO, identifiziert Risiken, sammelt m\u00f6gliche Beweise und zeigt der NPO anschlie\u00dfend weitere Handlungsoptionen auf, wie diese ihre Risiken minimieren und ihre Haftung reduzieren kann. Auch pr\u00e4ventive Untersuchungen k\u00f6nnen f\u00fcr NPOs sinnvoll sein. Denn hierdurch k\u00f6nnen NPOs ihre bisherige T\u00e4tigkeit auf unentdeckte Verst\u00f6\u00dfe, wie z.B. Scheinarbeit, durch einen externen Experten \u00fcberpr\u00fcfen lassen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>D&amp;O-Versicherungen<\/strong>:&nbsp;Um ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte vor Schadensersatzklagen durch die NPO selbst, das Finanzamt oder durch den Insolvenzverwalter zu sch\u00fctzen, sollten NPOs f\u00fcr ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte eine sog. <strong><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/directors-and-officers-versicherungen-managerhaftung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDirectors-and-Officers-Versicherung\u201c (D&amp;O-Versicherung)<\/a><\/strong> abschlie\u00dfen. Diese Versicherung \u00fcbernimmt im Schadensfall m\u00f6gliche Schadensersatzzahlungen und sch\u00fctzt die F\u00fchrungskraft so vor dem finanziellen Ruin. Dies gilt aber nicht bei vors\u00e4tzlichen Verst\u00f6\u00dfen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Unsere Experten f\u00fcr Gemeinn\u00fctzigkeitsrecht<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Strafrecht<\/strong><\/a> unterst\u00fctzen Sie gerne, sowohl bei pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen wie z.B. Internal Investigations als auch im Falle der drohenden Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit und bei strafrechtlichen Ermittlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterlesen:<br><strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/npo-compliance.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Was sind die Vorteile einer guten Compliance?<br><\/a><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/mittelfehlverwendung-aberkennung-gemeinnuetzigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mittelfehlverwendung: Neben Imageschaden droht Aberkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Arbeitsgericht Wiesbaden hat k\u00fcrzlich entschieden, dass eine ehemalige Mitarbeiterin der AWO Wiesbaden, die tats\u00e4chlich nie f\u00fcr die AWO gearbeitet hat, knapp 117.000 Euro an Gehalt zur\u00fcckzahlen muss. 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