{"id":14487,"date":"2021-08-22T10:49:00","date_gmt":"2021-08-22T08:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/winheller.com\/blog\/?p=14487"},"modified":"2022-02-17T17:46:22","modified_gmt":"2022-02-17T15:46:22","slug":"haftung-vorstand-genossenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/winheller.com\/blog\/haftung-vorstand-genossenschaft\/","title":{"rendered":"Haftung von Vorst\u00e4nden in Genossenschaften"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded wp-duotone-rgb3851133-rgb255255255-1\"><figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/haftung-von-vorstaenden-in-genossenschaften-1.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"267\" src=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/haftung-von-vorstaenden-in-genossenschaften-1.jpeg\" alt=\"Haftung von Vorst\u00e4nden in Genossenschaften \" class=\"wp-image-14498\" srcset=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/haftung-von-vorstaenden-in-genossenschaften-1.jpeg 400w, https:\/\/winheller.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/haftung-von-vorstaenden-in-genossenschaften-1-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Vorst\u00e4nde von Genossenschaften sind vielen <strong>Haftungsrisiken<\/strong> ausgesetzt und k\u00f6nnen im ung\u00fcnstigsten Fall sogar unbeschr\u00e4nkt mit ihrem gesamten Privatverm\u00f6gen gegen\u00fcber der <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/genossenschaftsrecht\/wie-funktioniert-genossenschaft.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Genossenschaft<\/a><\/strong> haften. Nach der sog. &#8222;<strong>Business-Judgement-Rule<\/strong>&#8220; tritt die Haftung jedoch nicht ein, wenn das Vorstandsmitglied bei einer unternehmerischen Entscheidung, die einen Schaden nach sich gezogen hat, <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>auf Grundlage angemessener Informationen, <\/li><li>ohne Ber\u00fccksichtigung sachfremder Interessen, <\/li><li>zum Wohle der Genossenschaft und <\/li><li>in gutem Glauben <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>gehandelt hat. Was das konkret im Einzelfall bedeutet, zeigt beispielhaft eine aktuelle Entscheidung des Kammergerichts (KG) Berlin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teurer Grundst\u00fccksverkauf<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Fall vor dem KG Berlin betraf zwei ehemalige Vorstandsmitglieder einer Genossenschaft, die von ihr auf <strong>Schadensersatz<\/strong> verklagt wurden, da die beiden Vorst\u00e4nde einen f\u00fcr die Genossenschaft nachteiligen Vertrag abgeschlossen h\u00e4tten. Der Vertrag kam urspr\u00fcnglich zustande, da die Genossenschaft drei ihrer Grundst\u00fccke m\u00f6glichst lukrativ verkaufen wollte. Um einen geeigneten K\u00e4ufer f\u00fcr die Grundst\u00fccke zu finden, f\u00fchrte die Genossenschaft ein offenes Bieterverfahren durch. Am Ende erhielt allerdings eine GmbH den Zuschlag, obwohl sie nicht das h\u00f6chste Gebot abgegeben hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund: Mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Alleingesellschafter der GmbH unterhielt einer der Vorst\u00e4nde eine gesch\u00e4ftliche Beziehung, da er von ihm zuvor ein Privatdarlehen erhalten hatte. Dieses <strong>N\u00e4heverh\u00e4ltnis<\/strong> f\u00fchrte neben dem Zuschlag f\u00fcr die GmbH im Bieterverfahren auch dazu, dass die Genossenschaft der GmbH im Kaufvertrag umfangreiche Garantien f\u00fcr das Vorliegen von zuk\u00fcnftigen Baugenehmigungen und R\u00fccktrittsrechte zuerkannte, die sp\u00e4ter immense Kosten f\u00fcr die Genossenschaft verursachten. Die Genossenschaft berief die beiden Vorst\u00e4nde daraufhin ab und verklagte sie auf Zahlung von Schadensersatz vor dem Landgericht (LG) Berlin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorst\u00e4nde m\u00fcssen Schadensersatz zahlen<\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl die Klage vor dem LG Berlin zun\u00e4chst aufgrund von <strong>M\u00e4ngeln in der Beweisf\u00fchrung der Genossenschaft<\/strong> scheiterte, gab sich die Genossenschaft nicht geschlagen und legte <strong>Berufung<\/strong> beim KG Berlin ein. Mit <strong>Erfolg<\/strong>: Denn das KG Berlin gab der Genossenschaft Recht und verurteilte die beiden Vorst\u00e4nde auf Zahlung von Schadensersatz in H\u00f6he von insgesamt <strong>500.000 Euro<\/strong>. Nach der Feststellung des Gerichts hatten die beiden Vorst\u00e4nde zum Nachteil der Genossenschaft gehandelt, da sie zum einen der GmbH den Zuschlag f\u00fcr die Grundst\u00fccke gegeben hatten, obwohl es h\u00f6here Gebote gab, und zum anderen den f\u00fcr die Genossenschaft nachteiligen Kaufvertrag abgeschlossen hatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Voraussetzungen f\u00fcr Enthaftung nach der \u201eBusiness Judgement Rule\u201c nicht gegeben<\/h2>\n\n\n\n<p>Das KG stellte insbesondere fest, dass die Voraussetzungen der \u201eBusiness Judgement Rule\u201c nicht erf\u00fcllt seien, da die beiden Vorst\u00e4nde ihre Entscheidung auf Grundlage sachfremder Interessen und damit nicht zum Wohle der Gesellschaft getroffen hatten. Daf\u00fcr sprach zum einen, dass sie <strong>nicht das wirtschaftlich lukrativste Angebot ausgew\u00e4hlt<\/strong> hatten, sondern das f\u00fcr die Genossenschaft finanziell weniger attraktive Angebot der GmbH. Die Vorst\u00e4nde seien jedoch dazu verpflichtet gewesen, die wirtschaftlichen Interessen der Genossenschaft zu wahren und somit die Grundst\u00fccke bestm\u00f6glich zu verkaufen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ferner belegten die nachteiligen Klauseln des <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/wirtschaftsrecht\/immobilienrecht\/immobilienkauf-immobilienkaufvertrag-rechtsanwalt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Grundst\u00fcckskaufvertrags<\/a><\/strong>, dass insbesondere einer der Vorst\u00e4nde, der eine gesch\u00e4ftliche Beziehung mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der GmbH pflegte, prim\u00e4r im Interesse der GmbH und <strong>nicht im Interesse der Genossenschaft<\/strong> handelte, da es nach den vertraglichen Regelungen allein die Pflicht der Genossenschaft war, alle f\u00fcr die Erteilung einer Baugenehmigung notwendigen Ma\u00dfnahmen, wie z.B. Architektenplanung, Brandschutz oder Munitionsfreiheit des Grundst\u00fccks umzusetzen und zu bezahlen. Dadurch wurde die Genossenschaft einseitig benachteiligt, da sie keine angemessene Gegenleistung hierf\u00fcr von der GmbH erhielt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Enthaftung von Vorst\u00e4nden nur unter strengen Voraussetzungen m\u00f6glich <\/h3>\n\n\n\n<p>Vorliegend handelt es sich zwar um ein Extrembeispiel, bei welchem die Voraussetzungen der \u201eBusiness Judgement Rule\u201c offensichtlich nicht gegeben waren und dies mit hoher Wahrscheinlichkeit f\u00fcr beide Vorst\u00e4nde auch noch strafrechtliche Konsequenzen haben wird. Allerdings verdeutlicht die Entscheidung, dass eine Enthaftung nach der \u201eBusiness Judgement Rule\u201c nur unter sehr strengen Voraussetzungen m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"tmnf-sc-box normal   \">\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WINHELLER ber\u00e4t bei Haftungsfragen<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine umfassende Beratung hinsichtlich der zu ergreifenden Ma\u00dfnahmen im Vorfeld einer zu treffenden unternehmerischen Entscheidung f\u00fcr Vorst\u00e4nde bzw. Gesch\u00e4ftsleiter ist daher ratsam. Unsere Experten <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/ueber-uns\/rechtsanwaelte\/dr-constantin-goette.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rechtsanwalt Dr. Constantin Goette<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/ueber-uns\/rechtsanwaelte\/philipp-barring.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rechtsanwalt Philipp Barring<\/a><\/strong> beraten Sie hierzu gerne. Kommen Sie jederzeit mit Ihren Fragen <strong><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/kontaktanfahrt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">auf uns zu<\/a><\/strong>!<\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/fileadmin\/redaktion\/NewsletterPDFs\/nonprofitrecht\/2021\/volltexte\/juni\/kgberlin15102020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">KG Berlin, Urteil v. 15.10.2020&nbsp;\u2013 12 U 49\/18<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Weiterlesen:<br><a href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/genossenschaftsrecht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Genossenschaftsrecht \u2013 Gr\u00fcndung, Compliance, Pr\u00fcfung<\/strong><\/a><a style=\"font-weight: bold;\" href=\"https:\/\/www.winheller.com\/gemeinnuetzigkeitsrecht\/spendenrecht-sponsoring.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><br><\/a><a href=\"https:\/\/winheller.com\/blog\/was-ist-eine-genossenschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Was ist eine Genossenschaft?<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorst\u00e4nde von Genossenschaften sind vielen Haftungsrisiken ausgesetzt und k\u00f6nnen im ung\u00fcnstigsten Fall sogar unbeschr\u00e4nkt mit ihrem gesamten Privatverm\u00f6gen gegen\u00fcber der Genossenschaft haften. 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